Liebe es oder lass es: HDR-Fotografie ist derzeit in aller Munde, im Web, in Magazinen oder auf Messen. Aber was ist HDR, und wie nutzt man sie am besten? Hier wird alles erklärt.


TEXT: BEN BOSWELL

FOTOS: DIVERS

Zuerst die Grundlagen. HDR steht für High Dynamic Range (Hochkontrastbild) und umfasst alle Techniken, die Lichtwerte jenseits der normalen Sensivität des Sensors oder Filmes aufzeichnen. Für diesen Artikel beziehe ich mich ausschließlich auf die Technik, mehrere Bilder derselben Szene zu einem finalen Bild zusammenzufügen, um ein Bild mit detaillierterer Schattur und Spitzlichtern zu erhalten, was einzeln so nicht möglich wäre. Zwar ist es möglich, an das ‚Aussehen’ eines HDR-Bildes heran zu kommen, allerdings geht es hier eher um die Theorie hinter HDR. Daher verwende ich ausschließlich mehrere Bilder. Das beinhaltet auch die Bearbeitung eines einzelnen RAW-Bildes als Ausgangspunkt, um von jenem unterschiedliche Bilder zur Bearbeitung zu extrahieren. Bemerkenswerterweise wurde das erste HDR Bild im Jahr 1850 erstellt. Der französische Fotograf Gustave le Grey hat mehrere Aufnahmen von Meeransichten angefertigt. Er hat separat den Himmel sowie das Meer abgelichtet, um mittels den Negativen ein lebendigeres Bild zu bekommen.
Diese Technik wurde seither von Fotografen angewandt, doch die Fertigkeit, natürliche Resultate zu erzielen, war ausschließlich den kommerziellen Spezialfotografen vorbehalten. Die gegenwärtige HDR-Methode wendet dieselbe Technik an wie die Pioniere damals, jedoch auf einem anspruchsvolleren Niveau, da die Bilder heutzutage Pixel für Pixel kombiniert werden.

 

Braucht man HDR?

Ist es wirklich notwendig?
Nun, wenn man ein Bild macht und nur schwerlich den gesamten Kontrastumfang in den Histrogrammbereich bekommt, dann ist HDR eine wunderbare Technik, um Überblendungen oder verdunkelte Schatten zu vermeiden. Die Alternative ist, das Bild nachzubearbeiten, indem man Ausschnitte herstellt, diverse Filter hinzufügt, oder Nachbelichter und Abwedler einzusetzen, um die Belichtung zu verändern. HDR erzielt jedoch weitaus natürlichere Resultate als all die vorgenannten Maßnahmen, weil es nicht die aufgenommene Szene per se manipuliert, sondern nur mehr Informationen im Gesamtem aufzeichnet, die sich hernach unterschiedlich interpretieren lassen. HDR hat auch einige Nachteile, die jedoch leicht auszugleichen sind. Eine Sache ist, dass man bei HDR gut planen muss. Es ist keineswegs eine Methode, auf die man im Nachhinein zurückgreifen kann, wenn man auf den am Vortag angefertigten Aufnahmen entdeckt, dass die hellen Bildanteile zu undifferenziert sind. Für die Landschaftsfotografie ist HDR hervorragend geeignet. In Momenten, in denen man seine Kamera aufstellt und ohne Bewegung im Bild Landschaften, Stadtansichten und insbesondere Innenräume, in denen das Licht nur so durch die Fenster strahlt, aufnimmt, ist die HDR-Technik bestens geeignet. Mit vorsichtiger Vorbereitung ist es möglich, auch sich bewegende Objekte mit einzubeziehen, allerdings sollte das Objekt in der Aufnahme, die anschließend Verwendung findet, richtig belichtet sein.
Man beginnt mit HDR, indem man zunächst einen Basisbelichtungswert definiert, der alle Tonwerte der Aufnahme umfasst. Mittels des Kamerahistogramms kann man dann einen zentralen Belichtungswert bestimmen, den man in ein oder zwei Blendenstufen auf jeder Seite unterteilt, um schließlich so viele Belichtungsstufen wie erwünscht anzufertigen. Auf jeder Seite des Histogrammes sollten dann die Daten mit den Werten klar erscheinen.

 

TECHNIK: SCHLECHTE HDRS VERMEIDEN

Um schlechte HDR-Bilder zu vermeiden, sollte man gewisse Aspekte beachten und behutsam arbeiten. Halos kommen vor, wenn die Dynamikkompression auf einem zu kleinen Ausschnitt basiert. Geben Sie Obacht, wenn Sie den Tonwert auf der Skala bestimmen und jener Ausschnitt zu nahe neben einem starken Kontrastwechsel liegt, wie z.B. ein Gebäude vor dem Himmel. Das Programm verdunkelt den Himmel, aber je näher man zum dunklen Gebäude kommt, umso heller wird der Himmel. Dies mutet wie ein schlecht hineingesetzter Himmel in eine alte Schwarz-weiß-Aufnahme an. Mit dem Weichzeichner kann das verbessert werden. Auch die hellen Bildstellen profitieren davon.

Mit zuviel Mikro-Kontrast kann das Bild leicht überschärft wirken. Reduzieren Sie dann einfach den Mikro-Kontrast, bis es netter aussieht.

Manche Software produziert Resultate mit sehr gesättigten Farben. Dies sieht dann wie ein Comic aus. Wenn es Ihnen beliebt, dann bleiben Sie dabei, doch Sie können auch die Farben herunterschrauben, um dem Bild ein natürlicheres Aussehen zu geben. Manchmal verursacht das Bearbeiten Anomalien im Sinne von ausgeleuchteten Stellen, wo keine sein sollten wie z. B. bei Schatten. Dies sieht immer falsch aus. Behandeln Sie das Bild behutsam, und reduzieren Sie den Effekt solange, bis es natürlich wirkt.

HDR-Bilder können einen natürlicheren Effekt haben als jene, die mit Filtern angefertigt sind, weil diese Technik mehr Informationen aufzeichnet und anders interpretiert.
Elephant Rock County Antrim. Canon EOS 5D, 17-40 mm Linse, f/22, Lee Filters 0.9ND, ISO 400.

Besonders auf der linken Seite, damit die HDR-Software eine große Auswahl hat aus der sie die Schatten anfertigt. Manche Kameras helfen einem dabei mittels des sogenannten Autobracketing, trotzdem sollte man immer das Histrogramm überprüfen um sicherzustellen, dass man das Spektrum der Tonwerte abdeckt. Die Dateien müssen in einem Format vorliegen was von der HDR-Software gelesen werden kann. Die meisten können jedoch RAW, TIFF und JPEG erkennen. Es ist wichtig, dass die Bilder konsistent sind: Weißabgleich, Blendeneinstellung und Fokus sollten gleich sein mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Am besten verwendet man auch ein Stativ.

Software-Tipps

Hinsichtlich der Software gibt es zahlreiche kostenlose Möglichkeiten bis hin zu Photoshop CS5. Der Marktführer ist Photomatix Pro von HDRsoft. Lesen Sie auf Seite 96 eine Kritik der drei Programme. Welches Sie auch immer verwenden, lesen Sie die Gebrauchsanweisung zuerst da sie Ihnen sagt, wie viele Bilder Sie jeweils benötigen, in welchem Format sie sein sollten und wie sie angeordnet sein müssen damit
das Programm damit arbeiten kann. Die Software wird unterschiedlich arbeiten, daher ist es sinnvoll zu wissen, welche Techniken man anwendet beim Ausprobieren.

Es gibt zwei Hauptbereiche bei der HDR-Bearbeitung:
Dynamikkompression und Belichtungsfusion die sich fundamental voneindander unterscheiden. Die Belichtungsfusion verwendet einen
gewichteten Durchschnitt für jedes einzelne Pixel, sodass die Daten der Schatten von dem überbelichteten Bild verwendet werden und die hellen Bildanteile aus dem unterbelichteten Bild entnommen werden. Das Resultat wirkt zwar sehr natürlich aber auch kontrastarm. Es ändert aber nicht grundlegend die Wiedergabe der Details und man kann die Datei sofort verwenden da die Daten so komprimiert werden, dass herkömmliche Drucker und Bildschirme sie erkennen können. Dynamikkompression fi ndet statt wenn die Software das HDRBild darstellt. Die Originaldatei ist eine HDR-Datei mit jeder aufgenommenen und korrekt wiedergegebenen Lichtstufe. Dies kann jedoch nicht auf einem Bildschirm oder Drucker wiedergegeben werden. Die Dynamikkompression verwendet die Daten innerhalb der Datei und stellt sie in einer sichtbaren Weise dar, was einem erlaubt die Version zur späteren Verwendung abzuspeichern. Die Datei behält alle Daten und es ist möglich, später alternative Versionen anfertigen. Die Dynamikkompression bietet einem verschiedene Optionen wie z. B. den lokalen oder frequenzbasierten Kontrast der Aufnahme zu verändern, was stilistischer wirkt und daher zu seiner Populariät beigetragen hat. Die Elemente, die bei der Belichtungsfusion manipuliert werden können, hängen im Wesentlichen von der Gewichtung des Durchschnittes ab: Die Steuerelemente übernehmen hierbei die Anpassung der Kontrastkurve. Bei der Dynamikkompression liest die Software das Bild auf Basis der Tonverteilung im Bild. In kontrastarmen Bereichen kann der Kontrast verstärkt werden um Details hervorzuheben. Das bedeutet, dass das Bild als ganzes mit seiner ganzen Dichte in gewissen Bereichen dennoch relativ elastisch ist. So können dunklere Bereiche heller aufgehellt werden als Bereiche die von Anbeginn hell sind. Das ist für mich allerdings schon eher digitale Kunst als nur reine Fotografi e. Es ist eher die Arbeit eines digitalen Werkzeuges als die Fähigkeit des Fotografs.


Zusammengefasst gesprochen, ist die HDR-Fotografie sehr clever. Bei richtiger Anwendung kann man damit hervorragende Resultate im Rahmen der hellen Bereiche und Schattierungen erzielen und dabei noch den natürlichen Charakter bewahren. Es ist jedoch kein Selbstzweck, da man zuerst ein Bild mit aufgeteilter Belichtung produzieren muss, die man schließlich weiter anpasst. Wenn das Ausgangsbild kontrastlos ist, dann wird es das HDR-Resultat ebenfalls werden.