Bei Aktfotos für den Kunstmarkt ist entscheidend, dass Sie den Publikumsgeschmack treffen. Bruce Smith zeigt, wie’s geht.

 

Bruce Smith
Bruce ist Modefotograf mit mehr als 35 Jahren Erfahrung

 

DIESEN MONAT stelle ich ein Bild vor, das ich an der türkischen Mittelmeerküste aufgenommen habe. Außer auf Aufnahme und Nachbearbeitung gehe ich auch darauf ein, wie das Setup eines solchen Shootings vor Ort funktioniert.

 

Die vielleicht wichtigste Aufgabe bei der Vorbereitung eines Shootings ist die Auswahl des „richtigen“ Models, denn hinsichtlich der durch das fertige Bild erzeugten Stimmung beim Betrachter spielt das Model die größte Rolle.

 

Hier ist Katy McGee zu sehen. Sie ist sehr erfahren vor der Kamera, und ich hatte schon zuvor mit ihr für Aktfotos zusammengearbeitet. Ich wusste also ziemlich genau, dass sie meine Erwartungen erfüllen würde. Erfahrung kann gar nicht hoch genug bewertet werden, wenn Sie eine Auslandsreise mit einem Team von Stylisten, Friseuren und Visagisten unternehmen. Schließlich ist das Ganze ziemlich kostspielig und Sie müssen völlig sicher sein können, dass alles bis ins letzte Detail hundertprozentig funktioniert. Sie müssen in jedem Fall mit Bildern zurückkommen, die nicht nur umwerfend aussehen, sondern auch genau den Bedarf des Kunden erfüllen, wenn Sie Werbefotos machen oder für ein Magazin arbeiten.

 

Wenn Sie Nacktfotos planen, müssen Sie bestimmte Dinge schon vorab beim Casting klären, besonders, wenn Sie mit dem betreffenden Model noch nie zusammengearbeitet haben. Welcher Art sollen die Nacktaufnahmen sein? Völlig nackt, Frontalaufnahmen, soll die Nacktheit nur impliziert werden, soll es oben ohne sein oder nackt ohne sichtbare Brust und Geschlechtsteile etc. Beim Casting für dieses Projekt hatte ich explizit klargemacht, dass die Bilder ein völlig nacktes Model verlangten. Klarheit über diesen Punkt ist ganz wesentlich, denn ein Model, das sich beim Shooting nicht wohlfühlt, weil ihm der geforderte Grad der Nacktheit vorher nicht klar gewesen ist, wird die Fotos verderben, weil die Bilder gezwungen wirken würden. Wir mussten sicher sein, dass alle Beteiligten vor der Abreise genau wussten, was auf sie zukommen würde.

 

Meine Absicht war, ein künstlerisches Aktfoto zu machen. Es sollte sowohl Männer als auch Frauen ansprechen, ohne jedoch die geringste Erregung auszulösen. Ein solches Ziel sollten Sie in jedem Stadium der Arbeit im Kopf behalten, dann bleiben auch die Fotos immer in dem Bereich, den Sie defi niert haben. Ich selbst habe für meine Aktfotos eine simple Regel: „Fotografi ere nichts, was du nicht auch deiner Mutter zeigen könntest.“

 

 

Vor Ort

Ich hatte eine siebentägige Bootstour auf einer Yacht mit Heimathafen Bodrum gebucht. Das hatte mehrere Gründe. Erstens gehört die Yacht einem guten Freund von mir. Es ist ein schwimmendes Hotel, mit dem wir auch unzugängliche Teile der Küste erreichen konnten. Wir wollten die Woche an Bord verbringen und zu abgelegenen, felsigen Buchten fahren. Mein Freund lebte schon lange in Bodrum und hatte eine große Auswahl an Fotos von infrage kommenden Locations, die ästhetisch ansprechend und so gelegen waren, dass wir dort ungestört würden arbeiten können. Eigentlich wollten wir drei Tage fotografieren, und wir hatten keinen Gedanken an das Wetter verschwendet, da in diesem Teil der Ägäis fast immer die Sonne schien – eigentlich. Das Wetter war eine Katastrophe. Wir saßen Stunde um Stunde vor der Küste ankernd herum und warteten darauf, dass die Wolkendecke aufriss. An den ersten beiden Tagen hatten wir nur ein paar Stunden halbwegs geeignetes Wetter und vielleicht zwei Stunden am dritten Tag. Wir mussten also sehr schnell arbeiteten und nahmen den Abend noch hinzu, damit wir die vier unterschiedlichen Tagesstimmungen, die ich einfangen wollte, in den Kasten bekamen.

 

Von Bodrum aus fuhren wir die Küste entlang und suchten nach geeigneten Plätzen, wo wir festmachen konnten und die gewünschte Kulisse boten. Schon nach 20 Minuten sahen wir einen Felsstrand mit einem kleinen Anlegesteg. Ich ging an Land um die Stelle auszukundschaften. Sie erwies sich als perfekt. Ich machte jede Menge Referenzfotos und fand etliche Plätze, die wegen ihrer Form und Oberflächenbeschaffenheit geeignet waren. Ich achtete auch auf die Farben, obwohl die Fotos später nach Schwarzweiß konvertiert werden würden.

Es gab so viele fabelhafte Möglichkeiten für die Auswahl des Hintergrunds an diesem nur 100 Meter langen Küstenstreifen, dass wir entschieden, am nächsten Morgen hier zu fotografi eren. Die Wettervorhersage für den nächsten Tag war ermutigend, es würde zwar teilweise bewölkt sein, aber immerhin ohne Regen.

 

Ich wollte mit weichem Licht fotografieren und später den Kontrast erhöhen und die Bilder nach Schwarzweiß konvertieren. In der Nachbearbeitung sollte auch einFarbstich hinzugefügt werden, so dass die Bilder recht dunkel und stimmungsvoll werden würden. Das hier gezeigte Bild wurde im Schatten einer Felswand gegenüber von Katys Rücken aufgenommen, und es gab kein direktes Sonnenlicht. Die anderen Bilder des Tages machte ich entweder in ähnlich schattigen Bereichen oder verwendete Diffusoren, um das direkte Sonnenlicht fernzuhalten. Es war einfach, aber sehr effektiv.

 

Das Bild wurde mit einer Nikon D2H mit 24-70mm f/2.8-Objektiv aufgenommen, das auf eine Brennweite von 35 Millimeter eingestellt war, und zwar bei ISO 200 mit 1/1600 Sekunde und Blende f/4. Dabei benutzte ich die Mehrfeldbelichtungsmessung, um die Werte für Katys Hauttönung die Belichtung bestimmen zu lassen.

 

Nachbearbeitung
Die Nachbearbeitung umfasste folgende Schritte:

• Duplizieren des Bildes, so dass ich mehrere Ebenen für Körper und Hintergrund erstellen konnte

• Konvertieren des Bildes nach Schwarzweiß

• Verstärken des Kontrasts der Felsen

• Verstärken des Kontrasts von Katys Körper

• Beide Ebenen zusammenführen, um dem Bild eine Farbtönung zu geben

• Verstärken der Helligkeit der helleren Areale des Felsens

 

 

1 DUPLIZIEREN DES BILDES

Ich musste das Bild duplizieren, damit ich getrennte Korrekturen an den Ebenen für den Felsen und den Körper des Models vornehmen konnte.

 

2 FARBSÄTTIGUNG REDUZIEREN UND KONTRAST DER FELSEN ERHÖHEN

Aus dem Hintergrundbild nahm ich mit Bild > Korrekturen > Sättigung die Farben heraus. Zuerst zog ich den Regler für die Farbsättigung nach links, um die Farben verschwinden zu lassen, dann erhöhte ich den Kontrast mit Bild > Korrekturen > Gradationskurven, indem den Kontrastregler bewegte, bis der Gesamtkontrast meine Vorstellungen entsprach.

 

3 DIE WEISSEN FLECKEN DER FELSEN HERVORHEBEN

Die weißen Flecken der Felsen sollten wirklich hervorstehen. Um dies zu erreichen, benutzte ich Bild > Korrekturen > Selektive Farbkorrektur. In dem Drop-Down-Menü wählte ich Weiß und bewegte den Regler für Schwarz soweit nach links, bis das Weiße der Felsen schön hervorgetreten war, ohne jedoch unkenntlich zu werden. Dann verwendete ich Bild > Korrekturen > Gradationskurven, um den Gesamtkontrast weiter zu verbessern, wobei ich darauf achtete, soviel Details wie möglich in den Felsen zu lassen und dem Bild gleichzeitig seine leicht melancholische Stimmung zu geben.

 

 

4 AUSWAHL DES KÖRPERS MIT DEM MAGNETISCHEN LASSOWERKZEUG

Mit dem magnetischen Lasso-Werkzeug traf ich vorsichtig die Auswahl rund um den Körper des Models, um ihn auf die Hintergrundebene zu verschieben, die ich gerade vorbereitet hatte.

 

 

5 BILDER VERSCHIEBEN, UM EBENEN ZU ERSTELLEN

Um die Ebene für das Model zu verschieben, klickte ich auf das Verschieben-Werkzeug ganz oben rechts im Werkzeug-Menü und zog den ausgewählten Bereich des Bildes auf das Hintergrundbild. Das erzeugte eine neue Ebene für den Körper des Models. Jetzt konnte ich an den einzelnen Ebenen arbeiten.

 

 

6 DIE FARBE AUS DER KÖRPER-EBENE HERAUSNEHMEN

Ich wiederholte den weiter oben beschriebenen Prozess. In diesem Bild ließ ich ein wenig Farbe drin, um Model und Hintergrund zu trennen. Nun benutzte ich Bild > Korrekturen > Sättigung und nahm durch Ziehen des Sättigungsreglers nach links die Farbe heraus.

 

7 KORREKTUR DER FARBBALANCE

Ich wollte ein paar interessante Farbtöne in dem Bild haben, um jene Art Effekt zu erzielen, den man früher in der Dunkelkammer herbeiführte. Dazu benutzte ich Bild > Korrekturen > Farbbalance. In diesem Fall fügte ich etwas Cyan hinzu, jedoch nur der Haut des Models.

 

8 KORREKTUR VON HELLIGKEIT UND KONTRAST DER HAUTTÖNE

Ich nahm einige kleinere Korrekturen an Helligkeit und Kontrast der Haut des Models vor. In Bild > Korrekturen > Helligkeit/Kontrast zog ich den Helligkeitsregler nach rechts, um die Haut ein wenig aufzuhellen, dann erhöhte ich den Kontrast auf 80 Prozent, indem ich den Kontrastregler nach rechts schob.

 

 

9 KORREKTUR VON HELLIGKEIT UND KONTRAST DER FELSEN

Ich nahm mit Bild > Korrekturen > Helligkeit/Kontrast noch kleinere Anpassungen vor, die die Beleuchtung der Felsen verbesserten, indem ich den Helligkeitsregler auf 60 und den Kontrastregler auf 70 Prozent schob.

 

10 HINZUFÜGEN EINER VOLLTONFARBE, UM DEM GESAMTEN BILD EINEN FARBTON ZU GEBEN

Ich wählte Ebene > Neue Füllebene > Volltonfarbe, klickte auf OK, und in der Farbauswahlbox wählte ich orange/amber. Nun hatte das gesamte Bild diesen Grundfarbton.

 

11 AUSWAHL UNTERSCHIEDLICHER VOLLTONFARBEFFEKTE

Wenn Sie eine Volltonfarbebene wählen, gibt es sehr viele Auswahlmöglichkeiten. Ich verwende entweder weiches oder hartes Licht, wenn ich meinen Bildern einen Farbstich gebe, aber experimentieren Sie ruhig ein wenig, um herauszufi nden, was für Ihre Zwecke passt. Sie können auch die Deckkraft einstellen. In diesem Fall reduzierte ich die Deckkraft der Volltonfarbe auf etwa 30 Prozent. Im Ebenen-Bedienfeldmenü sehen Sie eine Deckkraft-Box, die auf 100 Prozent gesetzt ist. Stellen Sie hier die gewünschte Deckkraft ein und in dem Drop-Down Menü, dass unter dem Wort „Ebenen“ erscheint, wählen Sie „Normal“. Jetzt können Sie den Effekt auswählen, den Sie benutzen wollen. Für dieses Bild habe ich „Hartes Licht“ ausgewählt.

 

 

12 FEINKORREKTUREN AM WEIS

Ich wollte den Eindruck des Bildes noch verbessern, indem ich das Weiß etwas verstärkte. Dazu verwendete ich Bild > Korrekturen > Selektive Farbkorrektur, dann wählte ich „Weiß“ und zog den Regler nach links, bis ich das gewünschte Ergebnis hatte.

 

13 ZUSAMMENFÜHREN DER EBENEN UND SPEICHERN DES FERTIGEN BILDES

Um die Ebenen zusammenzuführen, wählte ich Ebenen > Sichtbare auf eine Ebene reduzieren. Dann speicherte ich das Bild im TIF-Format für Windows, weil PCAnwender die Bilddatei sonst nicht öffnen können.